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Mittwoch, 15. Juni 2011

46. Symposium Einkauf und Logistik - die Mottoshow

Der BME kann immer wieder überraschen! Die diesjährige inhaltliche Ausrichtung des Symposium orientiert sich an dem Motto "Immer einen Schritt voraus" und meint damit, dass man in Unternehmen und im Einkauf die Voraussetzungen dazu schaffen muss, im weltweiten Wettbewerb eben immer einen Schritt voraus zu sein. Ob das nun inhaltlich durch die immer gleichen Beratervorträge auch geleistet werden kann?

Interessanter ist da doch die Entwicklung der Motti (?) aus den letzten Jahren. Ich habe das mal aus dem Netz zusammen getragen:
  • 1999: Zukunft gestalten - Ziele erreichen
  • 2000: Weltweit im Dialog
  • 2001: Kurs MehrWert
  • 2002: Strategien, Systeme und Strukturen
  • 2003: Rendite steigern!
  • 2004: Innovation und Wachstum
  • 2005: Global Competence
  • 2006: Quality Sourcing
  • 2007: Fit for Growth
  • 2008: Challenging Markets
  • 2009: New Opportunities
  • 2010: Vertrauen Gewinnen
  • 2011: Immer einen Schritt voraus
2011 bietet da einige Überraschungen. Zum einen scheint der Trend aus 2005 bis 2009 zu englischsprachigen Motti endlich gebrochen. Ist das nun ein Ausdruck einer vielleicht gescheiterten Internationalisierung des Symposiums oder allgemeiner Marketingtrend? Vielleicht gibt der BME so auch Hinweise auf die gestärkte Binnennachfrage in Deutschland und setzt einen Kontrapunkt zu den immer wieder angeprangerten Exportüberschüssen deutscher Unternehmen? Möglich wäre das. Oder man hatte in Frankfurt einfach markenrechtliche Bedenken, wirbt doch die Wäscherei Haas aus Bozen in Südtirol bereits im Internet mit der denglischen Variante des Slogans ".. damit Sie "always a step ahead" bleiben!"
Interessant auch, dass von den bisherigen Zwei-Wort-Motti abgewichen wird. Fast verdoppelt hat der BME die Wörter, auch wenn die Anzahl der Buchstaben im Durchschnitt ja eher konstant ist. Dadurch bekommt das Symposium einen ganz anderen Rhythmus als in den vergangenen Jahren. Wahrscheinlich sollen so Kraft und Stärke des Einkaufs transportiert werden und gleichzeitig eine gewisse Dynamik und auch Spontanität. Ich sehe da schon im Plenum am ersten Tag Herrn Fieten und Herrn Marquard spontan eine eurythmische Aufführung darbieten.
Tatsächlich aber richtet sich das Motto stärker noch als 2010 und fast alle Jahre zuvor an das Selbstverständnis des Einkaufs, aus sich heraus einen Wertbeitrag zu genieren und in einer Strategie umzusetzen. Mit vielen der vergangenen Themen hat man eigentlich nur Forderungen und Trends der Vorstände oder auch Medien aufgenommen. "Rendite steigern!" in 2003 z.B. kurz bevor der DAX sein historisches Postdotcom-Tief erreicht hat oder "Fit for Growth" in 2007 als alle Zeichen auf immerwährendes Wachstum standen. Dies wohl in der Hoffnung, so mehr Gehör dort oben zu bekommen. Aber schon 2010 richtet sich der Slogan mehr nach innen, jetzt soll der Einkauf Themen setzen und gewonnenes Vertrauen nutzen.
Dieses Jahr verspricht mit dem nahezu lyrischen "Immer einen Schritt voraus" einen weiteren Schritt in Richtung Selbstbewusstsein und Wertschätzung. Ob dort dann auch wirklich das Land ist, in dem Milch und Honig fliesst? Und ob die Inhalte der Fachkonferenzen dieser Utopie standhalten können?

Hauptsache, es tanzt keiner und wenn doch, dann bitte nur am ersten Tag vormittags, wenn eh noch keiner da ist!

Mittwoch, 25. August 2010

Das Leben, die Psyche und der ganze Rest

Die Wahrheit offenbart sich scheibchenweise. Die aktuelle Ausgabe der brand eins beschäftigt sich mit dem Thema Tiere. Unter anderem mit aufgrund Misshandlung psychisch gestörten Kuscheltieren (deren Existenz dem einen oder anderen bislang verborgen blieb). Da stellt sich jetzt die Frage, wo finden sich denn die Vor- oder Ebenbilder dieser Existenzen. Dem erfahrenen Einkaufs- oder Supply Chain Leiter fällt natürlich sofort die GF / der Vorstand ein (Der Fisch... vom Kopf...etc.). Wenn man das konsequent zu Ende denkt, dann könnte eine Familienaufstellung (Vorstand) folgendermaßen aussehen:
  • CEO: Dolly - "Die Patientin schwebt in einem ständigen Zustand zwischen Macht (nach intern zu Untergebenen bzw. in der Vorstandssitzung) und Ohnmacht (in der Investorenkonferenz)".
  • CFO: Sly - "Der anhaltende Verwirrtheitszustand (Budgetphase) des Patienten ist vermutlich auf eine Autointoxikation mit noch unbekannten Substanzen (Kaffee, Graphit / Edding?) zurückzuführen".
  • CTO: Lilo - "Der manische Puzzletrieb (Konstruktionsänderungen) des Plüschnilpferdes ist vermutlich auf einen inneren Konflikt zurückzuführen, der sich durch stetiges Scheitern (Kostenexplosion, Rückrufe) immer weiter verstärkt".
  • COO: Dub - "Das Leben als Schildkröte auf der Überholspur (Lean Manufacturing, sonstige Erkenntnisse aus Managementbüchern, ansonsten siehe CTO) hat den Patienten von hinten überrollt und in eine tiefe Depression gestürzt."
  • Chief Diversity Officer: Kroko - "Die überempfindlichen (Gleichstellung) halluzinatorischen Wahrnehmungen des Plüschreptils sind eindeutige Symptome für eine Angstneurose."

Was lernt der Einkaufsleiter oder Supply Chain Manager nun daraus? Zunächst empfiehlt es sich nicht, die Plüschtiere in das nächste Vortanzen beim Vorstand mitzunehmen und die Aufstellung nachzupielen. Erfahrungsgemäß führt dies zum offenen Ausbruch vorher verdeckter Konflikte. Als Archetypen verwendet kann aber natürlich die nächste Sitzung beim Psychotherapeuten bei der Aufarbeitung betrieblicher Szenen helfen ("15% Kostensenkung müssen Sie doch ohne Weiteres schaffen, gehen Sie doch nach China...", "Warum sind wir nicht lieferfähig? Was haben Sie denn für Lieferanten ausgewählt?").
Die intensive Beschäftigung mit den Patienten (passenderweise kann man sich auch bei Paraplüsch gleich einen Vorstand kaufen) kann ggf. helfen, die eigenen Komplexe zu überwinden und sich a) auf eine verkorkste Kindheit (dient als Entschuldigung für Alles) zu berufen oder b) auf die gleiche Stufe zu stellen, da die Führung auch nicht komplexfreier ist. Wem das nicht hilft, dem sei beispielsweise Literatur von Douglas Adams (Trilogie in fünf Bänden) oder Herbert Rosendorfer (z.B. "Ballmanns Leiden") empfohlen. Am besten man sagt sich jeden Abend: Alles wird gut.