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Montag, 10. Juni 2013

Traditionspost - Chancen gestalten in Berlin mit dem BME

Der BME feiert zum 48. Mal sich selbst und die Branche. Vom 13.-15. November 2013 treffen sich -sicherlich wieder rekordverdächtig viele - Einkäufer in Berlin. Das Motto in diesem Jahr ist erneut ein Zweiwortslogan und, gestattet man der Chance ein Gewohnheitsrecht in der deutschen Sprache, eben auch wieder deutsch.

"Chancen gestalten" ist nach "Souverän agieren" aus dem letzten Jahr ein kleiner Schritt nach vorne, bleibt aber phrasenhaft und öd. Sind wir denn nun seit dem letzten Jahr weiter gekommen? Souveräner geworden? Oder sollen sich die Einkäufer eingestehen, dass es nichts war mit der "nachhaltigen, intelligenten Optimierung der Beschaffungskosten" weil doch wieder keiner mit den Schmuddelkindern spielen wollte oder der böse Entwicklungschef sich immer mit anderen verabredet hat? Am Ende hat man viele Chancen vielleicht gar nicht genutzt, sich neu zu erfinden und zu positionieren auf dem Weg zum integrierten Einkauf, zum embedded procurement? Deshalb soll man die Chancen also erst wieder gestalten um sie dann später ergreifen zu können. 

Da hätte "Europas größter Einkäuferkongress" mehr liefern können. 


Freitag, 3. Mai 2013

BME Einkäufer Gehaltsstudie

Aufmacher aus dem BIP (Best in Procurement)-Brief, Ausgabe 2 April/Mai: "Maschinenbau-Einkäufer fahren bevorzugt Audi oder VW". Was soll uns dieses (offenbar das Hauptergebnis der Gehaltsstudie) sagen? Maschinenbau-Einkäufer neigen dazu, national einzukaufen? Sind konservativ? Kaufen rund um den Kirchturm ein? Mögen langweilige Autos? Müssen die abgelegten Firmenwagen der Servicetechniker übernehmen? Keine Ahnung, vielleicht klärt uns der nächste BIP-Brief ja noch auf...

Donnerstag, 5. Juli 2012

47. Symposium Einkauf und Logistik Mottoshow

Die Mottoshow des BME geht weiter fröhlich ihren Gang. Für das 47. Symposium Einkauf und Logistik im Herbst in Berlin hat man sich wieder etwas ganz tolles einfallen lassen:

  • Souverän agieren

Wem da nicht sofort "... bei totaler Unkenntnis" einfällt, dem ist nicht zu helfen. Aber so hat man das wohl nicht gemeint. Eher im Sinne von Selbstbestimmt vielleicht? Oder ist das gar nicht als Adverb zu verstehen und der BME will das Einkäufer als Souverän "über allen steht"? Im Begleittext versucht der BME, sein Motto mit Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung zu erklären:
Souveränität ist gefordert bei der nachhaltigen, intelligenten Optimierung der Beschaffungskosten und der Absicherung der Lieferquellen insbesondere in der Rohstoffversorgung.
Souveränität ist laut Wikipedia "Ein Zustand von Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit, im Gegensatz zur Fremdbestimmtheit." Das kann ja wohl wirklich kein zukunftsfähiges Motto für den Einkauf in einer Zeit sein, in der funktionsübergreifend und ganzheitlich Wertschöpfung optimiert werden muss. Entweder also ist ist das nur eine Worthülse aus dem Buzzword-Bingo oder der BME ist nur eine Standesvertretung für verbeamtete Einkäufer.

Immerhin hat sich der BME an meine Interpretation des Mottos vom letzten Symposium gehalten, und bestätigt den Trend zu deutschen Titeln. Nur leider mit der Rhythmik hat es dieses Mal überhaupt nicht geklappt.

Montag, 16. Januar 2012

eDingens

Heute flattert mir die Einladung für die "eLösungstage" ins elektronische Haus. Lieber BME - wenn es nicht verboten wäre und wir alle friedliebende Menschen wären gehörte jemand dafür geschlagen. Das Schlimmste daran ist ja, dass sich das Gehirn bei so etwas so querstellt, dass sich der Begriff auch noch ins Gedächtnis frisst. Und Schindluder treibt ("Die Kollegin fühlt sich nicht wohl, die hat ihre eLösungstage." etc.) Vielleicht muss ich ja auch nur den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Dann denke ich doch Mal ans Einkaufsschachbrett, das ist auch nicht viel schlimmer. Mehr fällt mir dazu nicht ein, es sind schon genug Wörter verschwendet.

Montag, 12. September 2011

Immer einen Schritt zurück auf dem 46. BME Symposium


Das BME Symposium ist seit vielen Jahren die zentrale Veranstaltung für die Einkaufsbranche. Keine andere Veranstaltung im deutschsprachigen Raum hat so viele Teilnehmer und bietet so viel Raum für Vernetzung, Meinungsaustausch und inhaltliche Diskussionen. Im Prinzip.

Das Programm für dieses Jahr ist an Langweile kaum zu überbieten. Inhaltlich gibt es so gut wie nichts Neues. Das mag auch daran liegen, dass erneut kaum eine Fachkonferenz ohne Berater- oder Dienstleisterunterstützung auskommt. Gleich in der ersten Fachkonferenz berichtet J&M über ein Tournaroundprojekt im Einkauf, H&Z über Procurement Leadership und BravoSolution über Multi-Milliarden-Euro Shared Services. So geht das munter weiter, mehr als ein Drittel aller Fach(!)konferenzen wird von Sponsoren (Exklusiv-Partner, Gastgeber und Partner) unterstützt und aller Erfahrung nach auch mitgestaltet.

Parallel zu den Fachkonferenzen gibt es interaktive Workshops „zur gemeinsamen Erarbeitung von Lösungsansätzen im kleinen Kreis“ und Round Tables „zur interaktiven Diskussion aktueller Fragestellungen“ die in der Regel von Verkäufern moderiert werden. Was hat man sich wohl dabei gedacht, einen interaktiven Workshop von Ricoh zum Thema „Managed Document Services: Wie der Einkauf das unbeachtete Potenzial der Dokumentenprozesse heben kann“ am selben Nachmittag wie den Round Table von Kyocera zum Thema „Welche Einsparmöglichkeiten bieten Managed Document Services für den Einkauf“ anzubieten? Das Ganze wirkt mehr als eine Ausdifferenzierung der Sponsoringpakete durch den BME denn als ein tatsächliches Angebot zum gemeinsamen Diskurs der Teilnehmer. Was genau man sich unter einer interaktiven Diskussion vorstellen muss – laut Duden ist die Interaktion ja bereits „aufeinander bezogenes Handeln zweier oder mehrerer Personen“ – will ich da gar nicht mehr wissen.

In Summe scheint es kein Konzept zu geben oder auch keinen Willen dazu, das Symposium konzeptionell weiter zu entwickeln. Der berechtigte Wunsch des BME, das Symposium als Ertragsperle des „Konzerns“ auszubauen, überkommerzialisiert die Veranstaltung derart, dass Inhalte weitestgehend auf der Strecke bleiben.

Keine Frage, Berlin ist immer gut, um Kunden und Partner zu treffen oder neu mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Auch bei der Abendveranstaltung kann man ohne Frage Spass haben, auf jeden Fall solange die Getränke inklusive sind. Aber ob das auf Dauer reicht um drei Tage Investition zu rechtfertigen? Mir fiel es auf jeden Fall schwer, genügend spannend anmutende Vorträge rauszusuchen. Und mit Blick auf das Eröffnungsplenum am Mittwoch und die Themen am Freitag reichen dann wohl doch 1,5 Tage aus, im November in Berlin.

Montag, 27. Juni 2011

Diaspora

Es ist so offensichtlich: Der Fachkräftemangel zieht seine Kreise jetzt auch im Einkauf. Es gibt natürlich offensichtliche Strategien: Zuwanderung und Frauen. Das wird sicherlich im Allgemeinen helfen. Bedenklich ist allerdings die drohende Verödung ganzer Landstriche. Welche Gegenden zuerst betroffen sind, kann aus dem aktuellen BME-Karrierenewsletter herausgelesen werden. Hier ein Auszug der derzeit attraktivsten Wohngegenden für Stareinkäufer (die Verzweiflung in der Einkäufersuche bricht sich u.a. Bahn in):
- Amberg
- Goslar
- Hattersheim
- Heiligenroth
- Laupheim
- Lengede (vielleicht geschieht ein Wunder)
- Ludwigshafen
- Marl
- Marktredwitz
- Rheda-Wiedenbrück
- Wesseling
- Winnenden und
- Wismar
Vielleicht ist ja was für Sie dabei?
Der unbestreitbare Vorteil ist definitiv, dass mit großer Wahrscheinlichkeit vor Ort ein Herrenausstatter anwesend sein wird, der langjährig gediente Recken mit allem versorgt, was Psychoterror (Angstschweiß, Halluzinationen) im Verhandlungsgespräch mit dem Verkäufer des Lieferanten auslöst. Als da wären: Sakkos in beliebigen Farben (mausgrau, kupfer, gelbgrün kariert, mauve etc.) mit darauf abgestimmtem Hemd in gleicher Farbe (leicht abgestuft), Kravattennadeln, bequeme Schuhe mit Gummisohle zum Anschleichen in der Fertigung und nicht zuletzt Comickravatten. Schade eigentlich, dass der Textilienfacheinzelhandel für den gesuchten Experten langsam ausstirbt. Es wird uns etwas fehlen in der Szene.

Mittwoch, 15. Juni 2011

46. Symposium Einkauf und Logistik - die Mottoshow

Der BME kann immer wieder überraschen! Die diesjährige inhaltliche Ausrichtung des Symposium orientiert sich an dem Motto "Immer einen Schritt voraus" und meint damit, dass man in Unternehmen und im Einkauf die Voraussetzungen dazu schaffen muss, im weltweiten Wettbewerb eben immer einen Schritt voraus zu sein. Ob das nun inhaltlich durch die immer gleichen Beratervorträge auch geleistet werden kann?

Interessanter ist da doch die Entwicklung der Motti (?) aus den letzten Jahren. Ich habe das mal aus dem Netz zusammen getragen:
  • 1999: Zukunft gestalten - Ziele erreichen
  • 2000: Weltweit im Dialog
  • 2001: Kurs MehrWert
  • 2002: Strategien, Systeme und Strukturen
  • 2003: Rendite steigern!
  • 2004: Innovation und Wachstum
  • 2005: Global Competence
  • 2006: Quality Sourcing
  • 2007: Fit for Growth
  • 2008: Challenging Markets
  • 2009: New Opportunities
  • 2010: Vertrauen Gewinnen
  • 2011: Immer einen Schritt voraus
2011 bietet da einige Überraschungen. Zum einen scheint der Trend aus 2005 bis 2009 zu englischsprachigen Motti endlich gebrochen. Ist das nun ein Ausdruck einer vielleicht gescheiterten Internationalisierung des Symposiums oder allgemeiner Marketingtrend? Vielleicht gibt der BME so auch Hinweise auf die gestärkte Binnennachfrage in Deutschland und setzt einen Kontrapunkt zu den immer wieder angeprangerten Exportüberschüssen deutscher Unternehmen? Möglich wäre das. Oder man hatte in Frankfurt einfach markenrechtliche Bedenken, wirbt doch die Wäscherei Haas aus Bozen in Südtirol bereits im Internet mit der denglischen Variante des Slogans ".. damit Sie "always a step ahead" bleiben!"
Interessant auch, dass von den bisherigen Zwei-Wort-Motti abgewichen wird. Fast verdoppelt hat der BME die Wörter, auch wenn die Anzahl der Buchstaben im Durchschnitt ja eher konstant ist. Dadurch bekommt das Symposium einen ganz anderen Rhythmus als in den vergangenen Jahren. Wahrscheinlich sollen so Kraft und Stärke des Einkaufs transportiert werden und gleichzeitig eine gewisse Dynamik und auch Spontanität. Ich sehe da schon im Plenum am ersten Tag Herrn Fieten und Herrn Marquard spontan eine eurythmische Aufführung darbieten.
Tatsächlich aber richtet sich das Motto stärker noch als 2010 und fast alle Jahre zuvor an das Selbstverständnis des Einkaufs, aus sich heraus einen Wertbeitrag zu genieren und in einer Strategie umzusetzen. Mit vielen der vergangenen Themen hat man eigentlich nur Forderungen und Trends der Vorstände oder auch Medien aufgenommen. "Rendite steigern!" in 2003 z.B. kurz bevor der DAX sein historisches Postdotcom-Tief erreicht hat oder "Fit for Growth" in 2007 als alle Zeichen auf immerwährendes Wachstum standen. Dies wohl in der Hoffnung, so mehr Gehör dort oben zu bekommen. Aber schon 2010 richtet sich der Slogan mehr nach innen, jetzt soll der Einkauf Themen setzen und gewonnenes Vertrauen nutzen.
Dieses Jahr verspricht mit dem nahezu lyrischen "Immer einen Schritt voraus" einen weiteren Schritt in Richtung Selbstbewusstsein und Wertschätzung. Ob dort dann auch wirklich das Land ist, in dem Milch und Honig fliesst? Und ob die Inhalte der Fachkonferenzen dieser Utopie standhalten können?

Hauptsache, es tanzt keiner und wenn doch, dann bitte nur am ersten Tag vormittags, wenn eh noch keiner da ist!

Samstag, 29. Januar 2011

BME VALUE DAY 2011

Am 24. und 25. Januar war ich auf dem dritten BME Value Day. Nachdem die Veranstaltung 2009 und 2010 in Ostwestfalen bei Claas und Miele stattfand hat man sich für 2011 mal etwas weiter herausgewagt. Gastgeber war in diesem Jahr BMW in der erstklassigen BMW Welt in München. Für den BME und auch die Veranstaltung hat sich das wirklich gelohnt, immerhin waren gut 400 Teilnehmer angemeldet.
Kostenanalytik entwickelt sich immer stärker zu einem echten Trendthema. Für den Einkauf kann Kostenanalyse eine grosse Chance sein, aus der Schmuddelecke rauszukommen und eine weitere Entwicklungsstufe zu nehmen. Richtig angegangen bietet sich hier die Möglichkeit qualifiziert und nachhaltig einen Mehrwert für das eigene Unternehmen zu liefern. Und das Schöne ist, ohne kompetente technisch qualifizierte Einkäufer gibt es keine Kostenanalyse. Und genau diesen Grad an Reife in der Organisation benötigt man, um eben auch beim Vorstand auf die Agenda zu kommen und oder in der Produktentwicklung schon ganz vorne mit dabei zu sein. Die steigenden Zuschauerzahlen des Value Day sprechen auf jeden Fall eine klare Sprache.
Zusätzlich zu den Praxisvorträgen gab es eine kleine Fachausstellung. Dominiert wurde diese wie auch viele der Vorträge vom "Exklusiv Partner" des Value Day Tsetinis & Partner. Die Stände der direkten Wettbewerber wie Facton und Costdata wirkten durchgängig etwas einsam und abseits. Zu den Softwareanbietern gesellten sich die üblichen Berater wie PA Consulting, Brainnet, Drozak und Berode. Bei Pleyma hatten wir uns gegen ein Sponsoring entschieden.
Mit den Vorträgen ist es wie immer. Man erhofft sich mitreissende Vorträge von Praktikern mit intellektuellem Tiefgang und bekommt langweilige Beratervorträge mit immer den selben Inhalten. Gut war:
  • Jörg Teichmann, Leiter Cost Engineering, BMW AG zum Aufbau des Cost Engineerings auf heute über 200 Mitarbeiter (!)
  • Martin Kruschel, Leiter Supplier Integration, CLAAS Gruppe zum Value Engineering bei Claas und der Verankerung des Value Engineering in die Organisation.
Der Rest war eher langweilig und uninspiriert, nicht der Rede wert. Auch wenn die grundsätzliche Aussage eigentlich (abzüglich der Werbung für Tools) auch dort stimmte: Kostenanalytik ist ein wichtiges Thema für den Einkauf auf dem Weg zu mehr Relevanz.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Auf nach Wolkenkuckucksheim...

Die aktuelle Ausgabe der Beschaffung aktuell - dem laut eigenem Claim Fachmagazin für Supply Management - ist erneut ein steter Quell der Freude. Der Chefredakteur hat gewohnt schmissig und im alleingang für die redaktionellen Inhalte gesorgt. Der Rest des Heftes wurde Beratern und IT-Unternehmern überlassen. Auf dem Cover präsentieren sich Herr Kerkhoff und Frau Keese von Kerkhoff Consulting. Frau Keese gibt innen ein Interview zum Thema Compliance, dessen Nachrichtenwert irgendwie die Plumpheit des Product Placements nicht rechtfertigt.
Gott sei Dank liefert ganz vorne im Heft schon Onventis ein erstes Highlight des noch jungen Jahres. Nicht das ich jetzt falsch verstanden werde. Onventis ist eine super Lösung, wie auch Pool4Tool oder Newtron oder wie sie alle heißen. Aber Andreas Schwarzer, Geschäftsführer von Onventis, stellt im Gespräch mit der Beschaffung aktuell den neuen "Claim" von Onventis vor:
Der neue Claim "Experts in Cloud Procurement" [...] soll verdeutlichen, dass wir die innovative Idee des Cloud Computing für unsere Kunden nutzbar machen und unser Leistungsangebot erweitern.
Mal ehrlich Onventis: Cloud Procurement? Technische Infrastruktur und die dazu gehörige Software weiter zu virtualisieren und über das Internet Anwendern zur Verfügung zu stellen kann man ja gerne Cloud Computing nennen. Das ist griffig und so eine Wolke ist ja auch schönes Bild für die neue Leichtigkeit des Seins.
Procurement oder wie man auch sagen kann "Einkauf" findet doch aber nun immer noch zwischen zwei Ohren statt. Ich habe da wirklich kein passendes Wolkengleichnis im Kopf. Es sein denn, bei Onventis wünscht man sich, dass demnächst alle Einkäufer gemeinsam auf Wolke sieben...?

Wenn das Jahr so weiter geht, kann uns eigentlich nichts mehr passieren. Lachen soll ja gesund sein.

Freitag, 12. November 2010

Vertrauen Gewinnen

"Vertrauern Gewinnen" war das Motto des diesjährigen immerhin schon 45. Symposiums des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik, kurz BME. Etwas mehr als 2.000 Einkaufsaficionados - zur Hälfte Einkäufer und zur Hälfte Dienstleister - haben sich in der zu Ende gegangenen Woche zweieinhalb Tage im Hotel Intercontinental in Berlin zu diesem Motto ausgetauscht. Und gefeiert, gesoffen, getrascht wie es sich gehört.
Das Symposium hat einen nicht unerheblichen zeitlichen Vorlauf, so erklärt sich sicherlich auch das Motto der diesjährigen Veranstaltung. Schließlich konnte man im Frühling ja noch nicht wirklich ahnen, wo die Reise mit der Weltwirtschaft hingeht. Aber mit Vertrauen Gewinnen kann man eigentlich immer gewinnen. Jetzt im Herbst in Berlin wurde dies in jedem Fall positiv wenn auch nicht euphorisch interpretiert. Es geht wieder aufwärts und wir sind wieder wer.
Die Themenschwerpunkte der Fachkonferenzen und sonstigen Marketingveranstaltungen waren noch durch die Krise geprägt. Viel und langweiliges zu Controlling, Kostensenkung auch im indirekten Material, Kaffeesatzlesen in den Rohstoffmärkten. Hier wird deutlich, dass der Einkauf in den vergangenen 20 Jahren bis auf die Internationalisierung (Wegfall "Eiserner Vorhang", Entwicklung BRIC-Staaten) und Elektronifizierung (eProcurement, SRM) keine grossen und revolutionären Themen mehr generieren konnte. Zum zehnten Mal hören, wie schlecht man wirklich im Einkauf organisiert sein kann (Danke an Herrn Laschinger von der Schlott Gruppe AG für die offenen Worte), wie ein eProcurementsystem eingeführt wird (Danke an all die austauschbaren Alibikundenvorträge der Softwareanbieter) oder dass man in crossfunktionalen Teams mehr erreicht als alleine (Hier Danke u.a. an die Einkäufer von Trox oder RWE Technology) ist wirklich langweilig. Im Prinzip gute Vorträge, sinnvolle Projekte, bemühte Redner aber einfach langweilig.
Gab es grosse Linien? Vielleicht mit etwas gutem Willem bei Herrn Diess, CPO von BMW der explizit auf das Thema Cost Engineering und die Bedeutung für BMW hingewiesen hat. Das fand sich auch in den HR-Themen der Fachkonferenz 12 die sich mit dem Thema "Der Einkauf 2015 - Flexibel und vernetzt" auseinandersetzte wieder. Einkauf findet eben zwischen den Ohren statt und hier ist in Bezug auf Qualifizierung, Führung und Kultur noch eine Menge Luft nach oben. Dann der Versuch, CSR stärker zu promoten. Das ist sicherlich ein wichtiges Thema, nur eben noch wichtiger für die grossen Berater (Berger im Morning Special 1 - hab ich leider wegen Kater von der Party am Abend zuvor kaum mitbekommen) oder die grossen Konzerne (Covermyass-Strategien bei ThyssenKrupp in Fachkonferenz 17). Inhaltlich? Wenig neues.
Schön war die Bestandsaufnahme auf der Aufstellerseite. Das erste Mal seit Ewigkeiten wieder dabei: Kerkhoff mit einer Reihe von Satelliten u.a. Costdata bzw. der Hälfte die davon noch übrig geblieben ist. H&Z diemal in seriös nur leider mit Werten auf illuminierten Lichtkuben die offensichtlich wenig mit Hirn, Herz und Hand zu tun hatten. Araia wieder da, sogar dreimal. Im Gepäck mit EasySourcing und Ivalua (nein, keine Antibabypille) auf drei Ständen. Bin mir nicht sicher ob sich das gelohnt hat. Der schönste Stand diesmal an Andreas Tsetinis c/o ZF Friedrichshafen: Perfect-Pro-xxx wirklich gut in Szene gesetzt. Der Trend der Messe: Appleprodukte verlosen (u.a. Deutsche Business Consulting, Hermes Logistik und Geodis (oder war es Egencia?)) - ich bin natürlich leer ausgegangen. Sehr schön, dass auch die die Caterer jetzt in die Fachaustellung kommen. Herzlich Willkommen Aramark, hier konntet ihr nur verlieren (Obwohl, wenn ich mir das Niveau einiger Teilnehmer ansehe, wer weiss). Mein Highlight war aber der Stand von Matrium. Was an Einkauf, Logistik und Zoll "bionisch" sein soll, konnte  mir keiner erklären. Hat ausser mir wohl auch keiner gefragt, an dem Stand habe ich in drei Tagen keinen einzigen Besucher gesehen.