Private Meinungen zu strategischem Einkauf, operativem Einkauf, Supply Chain Management, Trends und Entwicklungen und sonst allem Möglichen.
Mittwoch, 27. Januar 2010
Ehrbarer Kaufmann II
Das Davoser Gelöbnis appeliert an die Verantwortung und die Vernunft jedes einzelnen Managers. Der Schwur wirkt stellenweise etwas kitschig und der Fokus auf die globale Elite der Leader nervt leicht. Spannend ist der Einsatz von Mitmachwebtechnologien wie YouTube, Twitter, Facebook und Co. Wer sich traut, kann seinen Schwur gleich mit der Kamera aufnehmen und mit Blut besiegelt online stellen. Wenn das für den einen oder anderen nicht später mal nach hinten los geht...
Ich schwöre auf jeden Fall schon mal...
Donnerstag, 21. Januar 2010
Strategie
Keine Ahnung was noch alles kommt, erstmal geht es ums Überleben. Pläne machen wir für die Zeit danach und für eine Strategie haben wir keine Basis (weder in Einkauf oder SCM noch im ganzen Unternehmen).Jetzt ist die Krise vorbei und man redet von einer neuen Realität. Trotzdem sind die Antworten ähnlich. Eine echte Strategie zum Beispiel für den Einkauf bekommt man sehr selten zu hören. Und damit meine ich natürlich nicht, dass der Einkauf in 2010 auch wieder die Kosten senken muss. Die Frage ist doch eben nur wie er das tun will und wie er seine Organisation dazu aufstellt, wie er seine Mitarbeiter entsprechend schult und führt, wie er die Schnittstellen zu internen Funktionen gestaltet und wie er sein Lieferantenportfolio entwickeln will. Tatsächlich geht es doch nicht um die Kostensenkung heute sondern um die Wettbwerbsfähigkeit der Lieferkette bzw. der Wertschöpfung in 3 - 5 Jahren.
Zu dieser Aufgabenstellung fehlen schlicht Antworten und Methoden, eine Strategie erstens zu entwickeln und zweitens auch zu Resultaten zu führen. Wenn Einkauf und SCM weiter so arbeiten, dann wird es nichts mit der verbesserten Wahrnehmung des Einkaufs im Management.
Ein wesentlicher Grund dafür ist sicherlich ein fehlendes Verständnis des "Systems" Einkauf / Supply Chain Management. Tatsächlich ist die Frage, wofür der Einkauf und die Supply Chain im Unternehmen stehen, in der Regel unbeantwortet. Gängige Linear-kausale Management-Modelle zum Beispiel in klassischen Prozesshäusern geben diese Antwort nicht. Lösungen werden sich erst finden, wenn kybernetische Lösungsmodelle genutzt werden.
Dienstag, 5. Januar 2010
Der Supply Chain Manager als ehrbarer Kaufmann...
Rücksichtsloses Verhalten von Unternehmern oder Managern akzeptiert die Gesellschaft nicht. Dauerhafte Anerkennung erhält die Unternehmerschaft nur dann, wenn der individuelle Gewinn im Einklang mit der Leistung für Unternehmen und Gesellschaft steht.Grob vereinfacht heist das also rücksichtsloses Verhalten ist OK, es sei denn man wünscht sich Anerkennung von der Gesellschaft. Echte ethische Grundsätze sehen anders aus auch wenn der kaufmännische Trieb der Hanseaten Hamburg zu einer weltoffenen, reichen und erfolgreichen, stellenweise auch gerechten Stadt gemacht hat.
Prof. Christopher Jahns, Präsident der European Business School, fordert in einem aktuellen Interview der Wirtschaftswoche neben "Mehr Fairness" und unter Verweis auf eben jenen ehrbaren Kaufmann:
"Wir brauchen einen Global Sourcing Code, der die Gebote der Nachhaltigkeit in den Köpfen der Einkäufer verankert."ach so... Aber wäre es nicht hilfreich, zunächst die Gebote der Nachhaltigkeit in den Köpfen der Unternehmensleitung zu verankern? In der überragenden Anzahl der Unternehmen ist Supply Chain Management den anderen grossen Systemen Kundenbeziehungsmanagement und Produktlebenszyklusmanagement in Bezug auf Wahrnehmung und Relevanz deutlich nachgelagert. Für die Strategieentwicklung gilt das noch mehr.
Fairness ist eine gute Idee. Ein Global Sourcing Code ohne Global Sales Code oder Global Lifecycle Code ist nicht mehr als die nächste Sau im globalen Beraterdorf. Was tatsächlich fehlt ist die Debatte über Fairness oder über ein globales Wirtschaftsethos wie Sie zum Beispiel derzeit vom Theologen Hans Küng in der Zeit geführt wird. In dieser Diskussion können Einkäufer und Supply Chain Verantwortliche einen Beitrag leisten und vielleicht sollten Sie es auch stärker tun, bevor Prof. Jahns und Brainnet das für uns alle machen.
Ach so, der Unterscheid zwischen einem ehrbaren Kaufmann aus Bremen und dem aus Hamburg? Beide würde Ihnen Ihre Grossmutter verkaufen - der Hamburger Kaufmann würde sie sogar pünktlich liefern.
Mittwoch, 9. Dezember 2009
Logistik-Indikator zieht an
Die Vermutung liegt nahe, dass nach der hohen Unsicherheit und dem teilweise wirren Aktionismus einfach wieder etwas Ruhe in die Geschäftstätigkeit kommt. Damit verbunden psychologisch eine Aufhellung der Stimmung, weil so etwas wie eine normale Arbeitsamkeit wieder vorhanden ist. Damit weisen die Gedanken in der Leitungsebene wieder nach vorne und in eine positive Zukunft denn alles schlecht reden bringt ja auch nichts (oder Selbstzerstörung, siehe z.B. Self Fulfilling Prophecy in Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Selbsterf%C3%BCllende_Prophezeiung). Der Anstieg kann also genauso nur eine Normalisierung bedeuten und muss noch nichts mit Wachstum oder deutlicher Verbesserung der Geschäftserwartungen oder der Lage zu tun haben. Aber das mögen die Auguren besser beurteilen.
Dienstag, 1. Dezember 2009
Automotive Confidence Index
Offensichtlich steigt die Verbesserungsrate der Stimmung weiter an. Tatsächlich zeigt ein Blick in die Details, dass der Anstieg in Nord-Amerika kräftiger ist als in Europa. Aufträge, Produktionsanläufe, Bestände und Personal steigen hier deutlicher.
Die Nachhaltigkeit dieses Miniaufschwungs ist im wesentlichen davon abhängig, ob sich die Erwartungen der Marktteilnehmer an eine Erholung des US-Auto-Marktes tatsächlich erfüllen. Ob es sich aber beim derzeitigen Marktverlauf um eine V-, L- oder W-Rezession handelt und wo die Weltwirtschaft tatsächlich steht ist mehr als unsicher.
Der Index zeigt übrigens nur das Vertrauen der Zulieferer in die Geschäftsentwicklung. Er sagt nichts über die Rentabilität der neuen Projekte. Aufgrund massiver Überkapazitäten in den Märkten liegt der Schluss nah, dass hier auch auf die nächsten hin Jahre wenig Geld verdient wird. Ob das reicht, um die Veränderungen in der Automobiltechnologie umzusetzen?
Sonntag, 29. November 2009
Veränderungen sind Ressourcenintensiv – gerade auch im Einkauf
Der Einkauf in der Automobilindustrie steht in der Tat vor großen Veränderungen. Nicht nur stehen bisherige Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand und verändert sich die Einstellung der Gesellschaft zum Auto. Mobilität ersetzt Status mit verehrenden Folgen für den Absatz der meisten schlecht aufgestellten OEMs.
Tatsächlich führt der tiefgreifende Technologiewechsel bei Antrieb und Material zu vollkommen neuen Anforderungen an das Beschaffungsportfolio und die Lieferanten. Große Systemlieferanten gehen heute davon aus, dass aufgrund eines verstärkten Einsatzes von Leichtbaumaterialien klassische “Stahl”-Warengruppen durch neue Materialien ersetzt werden. Leider weiß man noch nicht genau, welche das sein werden und welche Lieferanten dies zukünftig liefern können.
Die Kollegen von Brainnet haben kürzlich eine Analyse veröffentlicht, die davon ausgeht, dass der Technologiewechsel auch ein Paradigmenwechsel für den Einkauf in der Automobilindustrie darstellen wird. Kunststoffe und seltene Metalle werden einen rasant wachsenden Anteil an der Gesamtwertschöpfung haben.
Im Prinzip müssen also heute in den Einkaufsorganisationen die notwendigen Lieferantenportfolios entwickelt und die richtigen Warengruppenstrategien aufgesetzt werden. Vom entsprechend qualifiziertem Personal mal ganz zu schweigen.
Wie viele der betroffenen Zulieferer können wohl heute noch so weit in die Zukunft planen?
Donnerstag, 26. November 2009
Kann der Einkauf sich an die Spitze der Veränderung stellen?
Paul Snell von Buyography schreibt dazu:
At the CPO event I attended in Boston last week, there was a lot of talk about procurement’s role in change. Primarily that the profession is in such a good position to force transformation, and by bringing in new suppliers and ideas, it is something it is used to.Das ist doch Interessant. Der Einkauf als Treiber des Wandels, schlicht weil er durch seine Aufgaben dazu jetzt schon beiträgt. Wenn man das mal durchdenkt, hat das durchaus Charme und Berechtigung.
