Donnerstag, 10. April 2014

Die unterschätzte Bedeutung des Einkaufs

Das Harvard Business Review Blog verweist auf die steigende Bedeutung des Einkaufs. Dabei wird auch die übliche Denkweise der C-Level aufs Korn genommen. Ein lesenswerter Beitrag, der es Wert ist, an die geeignete Entscheiderposition weitergeleitet zu werden.

Montag, 10. Juni 2013

Traditionspost - Chancen gestalten in Berlin mit dem BME

Der BME feiert zum 48. Mal sich selbst und die Branche. Vom 13.-15. November 2013 treffen sich -sicherlich wieder rekordverdächtig viele - Einkäufer in Berlin. Das Motto in diesem Jahr ist erneut ein Zweiwortslogan und, gestattet man der Chance ein Gewohnheitsrecht in der deutschen Sprache, eben auch wieder deutsch.

"Chancen gestalten" ist nach "Souverän agieren" aus dem letzten Jahr ein kleiner Schritt nach vorne, bleibt aber phrasenhaft und öd. Sind wir denn nun seit dem letzten Jahr weiter gekommen? Souveräner geworden? Oder sollen sich die Einkäufer eingestehen, dass es nichts war mit der "nachhaltigen, intelligenten Optimierung der Beschaffungskosten" weil doch wieder keiner mit den Schmuddelkindern spielen wollte oder der böse Entwicklungschef sich immer mit anderen verabredet hat? Am Ende hat man viele Chancen vielleicht gar nicht genutzt, sich neu zu erfinden und zu positionieren auf dem Weg zum integrierten Einkauf, zum embedded procurement? Deshalb soll man die Chancen also erst wieder gestalten um sie dann später ergreifen zu können. 

Da hätte "Europas größter Einkäuferkongress" mehr liefern können. 


Freitag, 3. Mai 2013

BME Einkäufer Gehaltsstudie

Aufmacher aus dem BIP (Best in Procurement)-Brief, Ausgabe 2 April/Mai: "Maschinenbau-Einkäufer fahren bevorzugt Audi oder VW". Was soll uns dieses (offenbar das Hauptergebnis der Gehaltsstudie) sagen? Maschinenbau-Einkäufer neigen dazu, national einzukaufen? Sind konservativ? Kaufen rund um den Kirchturm ein? Mögen langweilige Autos? Müssen die abgelegten Firmenwagen der Servicetechniker übernehmen? Keine Ahnung, vielleicht klärt uns der nächste BIP-Brief ja noch auf...

Donnerstag, 20. September 2012

Messebericht Husum Windenergy 2012

Diskussion hin oder her, Husum ist auf jeden Fall ein Erlebnis. Die graue Stadt am Meer hatte auch in 2012 alles aufgefahren, was zu einem Messeerlebnis gehört. Das rückwärtige Anschleichen über die A7 statt der A23 brachte auf jeden Fall Entspannung bei der Anreise. Die benötigt man natürlich auch, um den versammelten Widrigkeiten (nein , hiermit sind weder Aussteller noch Besucher gemeint) zu trotzen. In chronologischer Abfolge machte sich zuerst deutlich, warum der Trend zum Zweitgeländewagen geht. Politisch nicht ganz korrekt für die Windbranche aber für den Parkplatz auf dem Husum Airfield unerlässlich. Wohl dem, der Jäger ist, da hat man dann auch gleich die Gummistiefel im Auto. Sehr praktisch. In Ermangelung sowohl der einen als auch der anderen Utensilie und dermaßen schlecht ausgestattet machte ich mich also auf den Weg zur Shuttle-Experience. Die Organisatoren haben sich eine perfide Verkettung von Klein- und Linienbussen ausgedacht, die sie in wirrer Choreografie auf dem militärischen Sperrgebiet patrouillieren lassen. Vielleicht von Stockhausen inspiriert - Zwölftonarrangement für MAN und Evobus. Ich ignorierte heldenhaft die erste Haltestelle, an der kurz vor zehn schon eine gute Hundertschaft Pilger warteten und machte mich auf in Richtung Haltestelle C. Eine gute Wahl. 10 min und drei Kleinbusse später wurde ich schon bis zum Shelterpark chauffiert - wo wir - gerade nachdem ich eine gemütliche Position mit Ausblick durch die Fahrertrennscheibe gefunden hatte - schon wieder aus dem Shuttle geworfen wurden. Es galt, einen größeren Bus zu entern, was Sinn macht. Soll sich keiner beschweren, dass es in Husum zu kalt ist - immer schön in Bewegung bleiben. Zwischenfazit: Von Hamburg in nur 2,5 Std. bis zum Haupteingang HUSUM WINDENERGY - nicht schlecht. Damit sich aber nun keine Entspannung einstellt, die spannende Gespräche verhindert, hat sich Husum noch viel Besseres einfallen lassen. Man merkt, dass hier der Mensch noch im Mittelpunkt steht. Dazu hat man extra das Mobilfunknetz so weit heruntergefahren, dass gleichzeitig nur eine Person telefonieren kann, keine Emails geladen oder gesendet werden können und nur SMS-Kontakt möglich ist. Mir ist es nach mehr als zwei Stunden dann doch gelungen, mich mit meinem Gesprächspartner am Telefon in mieser Sprachqualität zu verabreden. In der Zwischenzeit lernt man viel über Menschen und Menschlichkeit sowie Organisationstalent. Einige O-Töne: "Ich wollte eigentlich zur Toilette, aber bei der Schlange verkneife ich mir das noch eine Stunde." "...wir haben einen ganzen Meetingraum für unsere Gespräche bekommen..." "...ja der läuft hier irgendwo rum, aber ich kann ihn nicht erreichen..." "...wo bist Du im Hotel? In Kiel..." Das Gute ist, dass die Messe so klein ist, dass man sich kaum verfehlen kann - hier haben die Nostalgiker recht. Der Besuch am Mittwoch laut Ausstellermeinung auch positiv, Dienstag war wohl eher zum Vergessen. Da Donnerstag und Freitag meistens auch zum Vergessen sind, ergäbe sich hier noch Einsparungspotenzial... Auch bei den Scan-Boys und -Girls (an jedem der vielfältigen Ein- / Aus- und Durchgänge muss die Eintrittskarte gescannt werden, da ja auch öffentliche Straßen über das Gelände führen) gibt es Verbesserungspotenzial - zum Nachmittag traten deutliche Abnutzungserscheinungen in der Motivation auf ("...kann ich Mal ihr Schild sehen - ach gehen Sie durch..."). Kurzes Essen-Check: Neben der fröhlichen Dong-Maschinerie die kostenlose Hotdogs aus Bauchläden verteilte gab es auch Traditional "German Curry" Wurst, Fisch- oder Krabbenbrötchen und Schnitzelburger. Super, nicht anders zu erwarten. Aber auch hier noch Extra: Bude im Matsch. Wer also seine Schuhe schon wieder trocken hatte, konnte hier nachlegen. Wenn die Robustheit der Anlagen ein Hauptthema sind, gilt es auch für die Messe zu beweisen, dass man den Unbilden trotzen kann. Und hat extra ein Tiefdruckgebiet mit Hageleinschlag aufgefahren. Respekt. Führt auch zu andächtigen Erlebnissen, da man sich während der Hagel- oder Regenschauer in den Zelten nicht wirklich unterhalten konnte. Zwangsmeditation irgendwie. Oder Knoppers-Pause (gibt's die noch?). Jedenfalls wie die Industrie selbst noch auf der Suche nach der Industrialisierung bzw. Professionalisierung. Egal - ansonsten sprach alles für Husum. Na gut, es waren nicht alle da, manche hatten wohl auch das Geld nicht mehr, und der allgemeine Tenor war auch in etwa halbe halbe: "2014 nicht mehr" oder "naja, 2014 vielleicht noch, aber 2016 nicht mehr". Tschüß Husum, bis zum nächsten Mal (oder so).

Mittwoch, 5. September 2012

Da lacht also der Einkäufer...

Die allseits geschätzte Onlineausgabe der noch mehr geschätzten Beschaffung Aktuell erfreut mit einem Witz. Im Editorial sieht man es als gutes Zeichen, dass nun sogar auch der Einkauf eigene Witze erhält. Das wird als Zeichen der Anerkennung oder Normalisierung bewertet, wenn neben Blondinen und Ostfriesen und vielen anderen Berufsständen (Ingenieure, Berater, Bäcker, ...) nun auch der Einkauf auf die Schippe genommen wird. Auf der anderen Seite definiert das Humorniveau nicht auch selten soziale Zugehörigkeiten und grenzt somit ab, aus oder ein.
"Ein schwäbischer Astronaut bereitet sich auf seinen Flug ins All vor. Kurz bevor er die Raumfähre betritt, gibt er ein Abschlussinterview. Ein Reporter stellt ihm die obligatorische Frage: „Wie fühlen Sie sich?" Der Astronaut schweigt einen Augenblick, seufzt dann und sagt: „Ja Gott, wie soll ich mich fühlen? Ich weiß, dass ich auf 100.000 Teilen sitze, die alle von Firmen stammen, die das niedrigste Angebot abgegeben haben."
Was sagt also der endlich - nach jahrelanger Recherche - gefundene Witz über Einkäufer aus? Oder sagt er etwas über Schwaben, Astronauten oder Reporter? Hat überhaupt jemand gelacht? Der Witz holpert irgendwie, irgendetwas stimmt nicht am Stil. Die Beschaffung Aktuell hat den Witz ja auch nur gefunden in der Zeitschrift Schönes Schwaben 6/12 (Schwerpunkt Juni: Wie berauscht - Schwäbisch Gmünd feiert ein Jubiläum wie noch keines). Aber die Schönen Schwaben haben ja auch nur geklaut und schlecht kopiert aus Hollywood (Armageddon, 1998):
"Rockhound: You know we're sitting on four million pounds of fuel, one nuclear weapon and a thing that has 270,000 moving parts built by the lowest bidder. Makes you feel good, doesn't it?"
Und irgendwie bin ich sicher, dass auch die Schreiberlinge in Hollywood das irgendwo ausgegraben haben, im Zweifel in Homers Odyssee.

Was sagt das nun also genau?

  • Die Beschaffung Aktuell nimmt es mit der Quellenprüfung online nicht so genau (siehe auch Leistungsschutzrechtdiskussion)
  • Die Schönes Schwaben offline ebenso, nennt dann aber auch wenigstens die Quelle nicht
  • Der Editorialist denkt, dass Einkäufer über schlecht gemachte Witze lachen.
  • Einkäufer haben keine eigenen Witze

Donnerstag, 5. Juli 2012

47. Symposium Einkauf und Logistik Mottoshow

Die Mottoshow des BME geht weiter fröhlich ihren Gang. Für das 47. Symposium Einkauf und Logistik im Herbst in Berlin hat man sich wieder etwas ganz tolles einfallen lassen:

  • Souverän agieren

Wem da nicht sofort "... bei totaler Unkenntnis" einfällt, dem ist nicht zu helfen. Aber so hat man das wohl nicht gemeint. Eher im Sinne von Selbstbestimmt vielleicht? Oder ist das gar nicht als Adverb zu verstehen und der BME will das Einkäufer als Souverän "über allen steht"? Im Begleittext versucht der BME, sein Motto mit Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung zu erklären:
Souveränität ist gefordert bei der nachhaltigen, intelligenten Optimierung der Beschaffungskosten und der Absicherung der Lieferquellen insbesondere in der Rohstoffversorgung.
Souveränität ist laut Wikipedia "Ein Zustand von Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit, im Gegensatz zur Fremdbestimmtheit." Das kann ja wohl wirklich kein zukunftsfähiges Motto für den Einkauf in einer Zeit sein, in der funktionsübergreifend und ganzheitlich Wertschöpfung optimiert werden muss. Entweder also ist ist das nur eine Worthülse aus dem Buzzword-Bingo oder der BME ist nur eine Standesvertretung für verbeamtete Einkäufer.

Immerhin hat sich der BME an meine Interpretation des Mottos vom letzten Symposium gehalten, und bestätigt den Trend zu deutschen Titeln. Nur leider mit der Rhythmik hat es dieses Mal überhaupt nicht geklappt.

Dienstag, 3. Juli 2012

Einkaufsmanagerindexhinundher

Als Frühindikator sind Einkaufsmanager ja beliebt oder auch gefürchtet. Die Financial Times Deutschland widmet sich heute jedenfalls gleich in zwei Artikeln ("Globaler Stimmungsabfall in der Industrie" und in der Rubrik "Das Kapital": "Auf solche Umfragen kann man bauen") den neuesten Entwicklungen hierzu. Im ersten Artikel wird die globale Enwicklung der Einkaufsmanagerindizes aufgegriffen und damit verbunden Trübsal geblasen zur Wirtschaftsentwicklung, den Auftragseingängen und dem Anstieg der Arbeitslosenzahl. Im gleichen Blatt wird darauf verwiesen, dass zwei Indizes von verschiedenen Instituten, die den gleichen Fokus haben (US Industrie) zu völlig unterschiedlichen Aussagen kommen (52,5 vs. 49,7). Das ist ungefähr so, als würde man im Casino auf Rot und Schwarz gleichzeitig setzen, um auch irgendwie recht zu haben. Dumm nur, wenn die Null kommt.