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Dienstag, 4. Mai 2010

Materialpreise

Griechenlandkrise hin oder her, die Weltwirtschaft und somit auch der Export deutscher Güter ist seit Jahresbeginn merklich angezogen. Die Baumaschinenbranche, eine der durch den globalen Einbruch 2009 am stärksten gebeutelten Branchen, hat nach der sehr erfolgreichen Bauma alle Prognosen deutlich nach oben angehoben. Liebherr, einer der Platzhirsche auf dem Messegelände in München spricht im eigenen Messeblog von deutlich übererfüllten Erwartungen. Inoffiziell ist davon die Rede, dass man ausverkauft sei.
Diese dynamische Entwicklung - egal wie nachhaltig sie sich gestalten wird - lässt sich auch unmittelbar an den steigenden Preisen für Rohmaterialien ablesen. Allein die Gusswerkstoffe wie Stahlschrott oder Roheisen sind in den letzten drei Monaten um über 20% gestiegen. Die Preise für Stahlschrott haben sich seit April 2009 von 0,24 EUR / KG auf 0,40 EUR / KG erhöht.
Einzelne Stahlhändler sehen sich schon wieder in den goldenen Zeiten des Booms aus 2008 angekommen. Zitat von letzter Woche:
"Wir verkaufen im Moment nichts. Ich warte ab. In der nächsten Woche werde ich dann noch reicher."
Wie reagiert der Einkauf sinnvoll auf diese Entwicklungen? Vertragsglück alleine ist in der Regel nur von kurzer Dauer. Langfristig werden die eigenen Lieferanten nicht in der Lage sein, Materialpreissteigerungen aus eigenen Ressourcen zu kompensieren. Und Rohmaterialproduzenten und -händler haben in allen letzten Boomphasen bewiesen, dass sie ihre eigenen Interessen durchsetzen können.
Transparenz ist schon einmal ein wichtiges Instrument, um Entscheidungen in Bezug auf Verhandlungen, Lieferantenportfolio und Warengruppenstrategie umzusetzen. Pleyma versendet hier zum Beispiel kostenlos monatlich einen Materialpreisrundbrief mit über 20 Notierungen. Die Preisentwicklung der letzten drei Monate und des Vorjahres wird dabei verglichen.
Entscheidend ist, was man daraus macht. Transparenz allein führt keine Verhandlung, überzeugt keinen Entwickler und verbessert auch keine Position beim Vorstand.

Dienstag, 23. März 2010

Stahlproduktion zieht an - zurück zur Normalität oder zurück ins Chaos?

"Die Stahlindustrie in aller Welt feuert ... ihre Hochöfen immer stärker an." So beginnt die Meldung von Reuters vom 22.3. über die Rückkehr zu alten Höhen - immerhin offenbar die höchste Auslastung der Werke seit September 2008. Was auch immer das bedeutet, schließlich sagt uns diese Kennzahl auf der Einkaufsseite noch nicht, wie sich der Markt denn wirklich entwickelt und was jetzt die richtige Strategie ist. Wird sich das Verhalten von Rio Tinto in China bzw. die Beteiligung von chinesischen Investoren an Rio Tinto auf die Märkte auswirken? Wie viel ist im Markt wirklich noch von dem Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage abhängig? Oder ist das gesamte System durch die starken Schwankungen dermaßen aus dem Gleichgewicht geraten, dass es nur noch Überschwingungen in beide Richtungen geben wird? Die Situation wird auf jeden Fall nicht einfacher - zumindest ein Appell daran, ein hohes Maß an Transparenz aufzubauen. Auch wenn das den Markt nicht direkt ändert, es hilft aber, eine objektive Bewertung durchzuführen, inwieweit die Schwankungen jetzt in der Gesamtkostenwirkung wichtig für die eigene Lieferkette sind, oder ob man sich besser um andere Themen kümmert...